Episoden-Bericht: OP in Tübingen

Platz für Elternfragen
Schwerdtfeger
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Episoden-Bericht: OP in Tübingen

Beitrag von Schwerdtfeger » Fr 17. Aug 2012, 12:12

Hallo!
Unsere Tochter Ida würde im Juli 2011 mit einem Riesennävus über Nacken und Rücken (bei Geburt 12 x 12cm) geboren. Schnell stand für uns fest, dass wir sie in Tübingen von Prof. Breuninger operieren lassen möchten.
Der erste OP-Termin war der 17. April. Zwei Tage vorher sind wir dafür 700km weit angereist, haben Betreuung für unsere beiden größeren Kinder organisiert etc. Ida wurde aufgenommen, ein Zugang wurde gelegt...und bis mittags hat sich dann rausgestellt, dass die OP wegen Streiks des Pflegepersonals ausfällt. Also sind wir dann am OP-Tag wieder 700km zurück gefahren.
Nun steht am 21.8. die erste OP an, ich hoffe nun, dass alles glatt geht. Ich dachte, es könnte für andere betroffene Eltern interessant sein, wie ich das ganze erlebe und finde.
Übermorgen, also am Sonntag geht es los, diesmal werde ich alleine mit Ida mit dem Zug fahren und nach einer Nacht im Hotel wird sie dann am Montag in der Hautklinik aufgenommen (das hat sich gerade geändert, bisher wurden die Kleinen in der Kinderklinik aufgenommen und zur OP zur Hautklinik gefahren).
Ich habe schon mit der Station telefoniert, wo wir aufgenommen werden: Dort sind sie so nett, für uns Windeln zu besorgen - das würde im Reisegepäck doch sehr ins Gewicht fallen.
Die Kinderanästesistin, die wir kennen gelernt haben, ist leider gerade im Urlaub. Sie hatte mir im Vorfeld ihre Handynummer gegeben und war nun tatsächlich sogar dort für mich erreichbar.
Bisher haben wir (bis auf das Streik-Pech) einen sehr guten, menschlichen Eindruck von der Tübinger Klinik.
Wünscht uns Glück!

Maren
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Re: Episoden-Bericht: OP in Tübingen

Beitrag von Maren » Fr 17. Aug 2012, 14:42

Hallo,

Ich Wünsche euch alles gute für die OP!!! Für andere Betroffene (Eltern) ist ein Bericht sicher von großem Interesse.

Liebe grüße, maren

mario
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Re: Episoden-Bericht: OP in Tübingen

Beitrag von mario » Sa 18. Aug 2012, 21:33

Hallo,

auch von meiner Seite aus alles Gute! Achtet darauf dass die Kleine den "Egal Saft" bekommt. Dann ist die Abgabesituation für alle Beteiligten leichter. Oder darfst Du sie bis zur Narkose im OP begleiten?

Unser Sohn wurde am 01.08. in Berlin operiert und es ist alles gut gelaufen und verheilt sehr gut.
Bericht folgt noch..., irgendwann mal ;)

Greets
Mario

Maren
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Re: Episoden-Bericht: OP in Tübingen

Beitrag von Maren » So 19. Aug 2012, 20:08

Hallo Mario,

Das sind ja tolle Nachrichten!!!!!! Freut mich sehr!

Grüße von lanzarote, maren

Schwerdtfeger
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erste OP

Beitrag von Schwerdtfeger » Di 28. Aug 2012, 12:19

So, jetzt bin ist seit der OP eine Woche vergangen, die Gefühle etwas gesackt, dann will ich mal berichten.
Vorneweg etwas zu der Methode die Prof. Breuninger anwendet, denn er ist, soweit ich weiß, bisher der einzige, der es so macht, ich drücke es jetzt mal so laienhaft aus, wie ich bin:
Die Naevus-Haut wird in mehreren OPs rausgeschnitten, die umgebende Haut zusammengezogen und vernäht. Die Haut wird durch nichts substituiert; sie wird unter Spannung genäht.
Da die Baby- und Kleinkindhaut auf Wachsen und damit Dehnung ausgelegt ist, wird das recht schnell wieder ausgeglichen. Wenn alle OPs vorbei sind und ein bisschen Regenerationszeit vergangen ist, soll die Haut normale Dicke und Belastbarkeit erreichen.

Das war der eine Grund, warum wir uns für diese Methode entschieden haben. Der zweite war der unglaublich menschliche Umgang mit uns besorgten Eltern. 10 Tage nach der Geburt haben wir an verschiedene Spezialisten Fotos gemailt: Herr Breuninger hat sich nicht mal einen Tag später bei uns gemeldet und tut das bei allen Rückfragen bis heute. Er drängt uns zu nichts, ist uns gegenüber sachlich und freundlich und scheint vor allem am Wohl der Kinder interessiert.

So, nun zu Idas erster OP
Das wirklich lästige für uns war die weite Anreise, insbeseondere da wir zwangsläufig noch eine Nacht ins Hotel mussten, bevor wir in die Klinik aufgenommen wurden. Da Ida inzwischen über ein Jahr alt ist, wird sie nicht mehr in der Kinderklinik aufgenommen, sondern direkt in der Hautklinik, was für uns viel angenehmer war, da die OP dort stattfindet und alle Menschen, die damit zu tun haben dort vor Ort sind.
Am Montag Morgen sind wir dann "eingezogen", hatten Gespäche mit der Stationsärztin, dem vertretenden Anästhesisten (die "eigentliche" Frau Dr. Götz war im Urlaub) und mit Herrn Breuninger. Ida wurde untersucht, aber von allen qualenden, pikenden Maßnahmen zum Glück verschont.
Am Dienstag war vor Ida noch die OP eines kleinen Mädchens dran, sie wurde zum 5. und letzten Mal operiert, hatte ursprünglich einen Nävus von 14 x 20cm auf dem Rücken und um die Taille. Dadurch waren wir "zum Warten verdammt", was aber ganz gut ging, da wir im Aufenthaltsraum auf eine nette erwachsene Mitpatientin trafen, die die Zeit für uns kurzweilig hat vergehen lassen. Gegen 10:20 Uhr brachte eine Schwester dann den Schlafsaft, der Ida erstmal so beschwippst gemacht hat, dass sie minutenlang gekichert hat. Irgendwie war das so niedlich uns so befreiend, so kurz vor der OP noch mal mit meiner Tochter zu lachen, dass es gleich besser ging. 10 Minuten später brachte die Schwester uns eine Etage tiefer zum Op-Bereich, wo bald die Anästhesisten kamen Ida in Empfang nahmen, die inzwischen kaum noch die Augen offen halten konnte und mein Weggehen nicht mehr wirklich registrierte.
Da ich dachte, sonst durchdrehen zu müssen, ging ich dann in die (wunderschöne!!!) Tübinger Innenstadt bummeln. Nach anderthalb Stunden bekam ich einen Anruf, ich solle gegen 12:o30 Uhr bei OP sein. Von da an stieg meine Aufregung.
Vor dem OP musste ich dann noch fast eine halbe Stunde warten, bevor mich eine Schwester hereinbat und mich OP-tauglich machte. So durfte ich dann in den Aufwachraum, in den kurz darauf auch Ida gebracht wurde. Sie schien gerade wieder wach zu werden und schrie, bekam dann sofort ein Schmerzmittel und döste wieder weg.
Nach gut einer Stunde postoperativer Überwachung duften wir dann in unser Zimmer.
Die ersten 20 Stunden nach der OP bekam Ida im zwei Stunden-Rhythmus Schmerzmittel. Sie war von Narkose, OP (und Schmerzmittel?) ziemlich platt und elend. Am nächsten Morgen gegen 8 Uhr ging es dann zum ersten Mal bergauf, die Schmerzmittelgaben konnten drastisch reduziert werden und am Donnerstag brauchte sie eigentlich gar nichts mehr und war den Großteil des Tages wieder "die alte".
Die ganze Woche über war die Ansage, dass wir vermutlich Freitag nach Hause gehen können, definitiv entschied sich das aber erst nach dem Verbandswechsel, bei dem ich unter Anleitung den Verband anlegte, um für zu Hause gerüstet zu sein. Gegen 9 Uhr war das o.k. da und auch schon alle Papiere fertig, so dass wir nach dem Packen noch mehr als genug Zeit hatten, unseren ab mittag resevierten Zug zu erreichen.

Auch im Klinikum selbst habe ich mich (uns) gut aufgehoben gefühlt. Wir hatten auf unserer Station einen Hotelfachmann (ich weiß nicht, ob es das auf allen Stationen gibt), der sich um unser leibliches Wohl gekümmert hat (ich nehme an, dass das u.a. auch der Entlastung der Schwestern dient). Er nimmt sich eingangs Zeit, die Speisepläne genau durchzugehen und hat mit mir gemeinsam überlagt, welche Speisen eine dreizahnige wohl am besten essen kann.
Im Aufenthaltsraum stand eine Jura-Kaffeemschine, die extrem leckeren Kaffee machte - das ist natürlich für die ganze Sache überhaupt nicht relevant, hat aber meinen persönlichen Aufenthalt verbessert.

Außerdem - und das hat den Aufenthalt wohl am meisten erleichtert, war eben außer mir und Ida ein OP erfahrenes Elternpaar mit ihrer 2jährigen Tochter da. Es war gut, sich so direkt über die Probleme, Techniken etc. austauschen zu können und für die beiden Mädels war es auch toll, sich gegenseitig zu haben. Die Kleine hat sich hingebungsvoll und Ida gekümmert, die die Aufmerksamkeit und das kleine bisschen Trubel sehr genoss (denn für ein Mädel, dass zwei große Brüder und einen Hund gewöhnt ist, wird es doch schnell zu still, auch wenn 100% Mama sicher auch mal eine schöne Sache waren).
Bisheriges Fazit: OP ist keine schöne Sache, wenn's aber sein muss, fühlen wir uns in Tübingen richtig gut aufgehoben.

Unsere nächste OP wird im März stattfinden, vorher war kein Termin zu kriegen - aber da auf Ida auch nur noch 2-3 OPs zukommen, ist keine Eile geboten und ich bin froh über die längere Pause.
Dann werde ich wieder berichten.

Danke für die guten Wünsche

mario
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Re: Episoden-Bericht: OP in Tübingen

Beitrag von mario » So 2. Sep 2012, 22:27

Hallo,

schön das bei Ida Alles gut geklappt hat und danke für Deinen ausführlichen Bericht!

wir hatten unsere ersten beiden Beratungen ebenfalls in Tübingen. Haben uns dort auch immer sehr wohl und freundlich behandelt gefühlt.

Das mit dem Saft ist lustig. David war ebenfalls ständig am kichern und der Abschied war dadurch leichter. Durftet Ihr auch nicht bis zur Narkose bei Ihr bleiben?

Gruß
Mario

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Re: Episoden-Bericht: OP in Tübingen

Beitrag von Simon » Do 20. Sep 2012, 19:17

Danke für den ausführlichen Bericht!

Wir haben mit unserer Tochter (Nävus am Auge) einen OP-Termin in Tübingen im April nächsten Jahres. Bei Prof. Breuninger waren wir vor ca. 2 Wochen zu einer Einschätzung der Situation und waren ebenfalls sehr angetan von seiner Art und auch vom anderen Personal. Bereits vor 3 Jahren waren wir in Erlangen bei einem Dermatologen. Dieser hat uns die schlimmsten Folgen im Falle einer OP angedroht, bis hin zur Gesichtslähmung. Darüber hat Prof. Breuninger nur müde gelächelt.

So wie es aussieht, kann der ganze Nävi auf einmal entfernt und vernäht werden. Schon Abends können wir unsere Kleine wieder mit nach Hause nehmen.

Ich werde zu gegeben Zeit berichten.

Gruß, Simon

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Re: Episoden-Bericht: OP in Tübingen

Beitrag von Schwerdtfeger » Di 13. Aug 2013, 23:03

Nach einem Jahr nun die nächste Meldung:
Ida hatte leider - vielleicht durch die Zahnung - fast ein Jahr lang dauernd irgendwelche Infekte, so dass die OP im März ausfallen musste.
Nun ist Ida sommerlich gesund und heute zum zweiten Mal operiert worden. Diesmal ist mein Mann mit ihr nach Tübingen gefahren, während ich hier mit unseren beiden Jungs und und Hund die Stellung halte. Vater und Tochter scheinen das gut miteinander hinzukriegen :) .
Ida ist inzwischen zwei Jahre alt. Nach der ersten OP war gefühlt die Hälfte des Nävus (bei Geburt 12 x 12cm) weg. Diesmal war die Ansage von Prof. Breuninger, dass er wahrscheinlich den gesamten Rückenbereich "frei" kriegt - und so hat es auch geklappt. Jetzt ist nur noch Nacken (und ein bisschen seitlicher Hals) und die "Narbenverschönerung" dran.
Aber erstmal hoffen wir auf eine gute Erholung von der OP und auf eine gute Wundheilung.
Ich möchte nochmal ausdrücklich erwähnen, dass mein Mann genauso begeistert vom Ärzteteam ist, wie ich es letztes Jahr war. Zusätzlich hatte Ida diesmal das Glück, die ganz besonders tolle, liebevolle Anästhesistin dabei zu haben, die letztes Jahr im Urlaub war. Sie hat im Vorgespräch wohl sehr viel mehr Zeit damit verbracht, sich mit Ida bekannt zu machen, als mit meinem Mann. Gut so.
Jetzt sitze ich hier zu Hause und warte darauf, dass die Familie - hoffentlich am Freitag - wieder ganz ist.

Felix
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Re: Episoden-Bericht: OP in Tübingen

Beitrag von Felix » Do 29. Aug 2013, 17:55

Herzlichen Glückwunsch, dass das so toll geworden ist.

viele Grüße

felix
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Re: Episoden-Bericht: OP in Tübingen

Beitrag von Jan » Mi 11. Sep 2013, 18:50

Hallo Leute,

ich werde diesen Thread kapern und etwas Informationen zu stationären OPs in Tübingen posten. Unser Sohn wurde dort vor kurzem operiert. Dokumentation zu dem was genau gemacht wurde werde ich zu einem späteren Zeitpunkt offentlich machen.

Bei Kleinkindern die Stationär aufgenommen werden darf ein Elternteil mit im Zimmer übernachten. Für eine zweite Person (wie in meinem Fall gab es kein Bett dort). Dafür gibt es in der Stadt ein Möglichkeit für güstige Übernachtungen durch das Katholische Klinikenpfarramt. Einen Platz sollte man sich aber rechtzeitig reservieren, da es sein kann das alles ausgebucht ist.
Tel: 07071 29-83280, Herrenberger Straße 25, 72070 Tübingen
Eine einzelne Nacht kostet hier 15 Euro. Bei mehreren Nächten in Folge reduziert sich dieser Preis zu 10 Euro pro Nacht.

Parken geht am besten an der Straße, wo ein Tagesticket 4 Euro kostet. Das Parkhaus ist sehr viel teurer und freie Parkplätze sucht man vergeblich. Wenn jemand dazu informationen hätte wäre ich sehr dankbar.

Ansonsten ist die Klinik sehr angenehm. Das Pfegepersonal ist sehr gut. Das Essen ist relativ mieß. Es gibt aber wenn man durch den kleinen botanischen Garten geht durch einen Tunnel eine kleine Shoppingmall gibt es dort einen Edeka, DM und Restaurants.
Ich bin aber nicht sicher ob wir dort weiter behandeln lassen würden wenn Herr Breuninger wirklich nächstes Jahr in Ruhestand geht. Ich bin sicher Herr S. und die anderen Oberärzte sind sehr fähig, aber bei der Visite am Vortag zur OP ohne Prof. B beschloss der Chefarzt Prof. R plötzlich, dass ein anderes Artz operieren sollte und sprach ganz andere Sachen an als vorab mit Prof. Breuninger besprochen. Das hat uns ziemlich verunsichert. Glücklicher Weise kam es dann doch alles so wie geplant.

Soviel erstmal zum Ablauf. Ich hoffe es hilft.

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